Kirch, Christa Maria2019-10-15T15:30:23+01:00

CHRISTA MARIA KIRCH

forma simplex

Künstlerin: Christa Maria Kirch

Rhede, D

Bildhauerei, Installation, Konzeptionelle Kunst 

www.christamaria-kirch.de

Das Projekt:

Titel: forma simplex

Material: Garne

Preis: Die „forma simplex“ Kissen und Decken sind als limitierte Auflage erhältlich (u.a. im Geschäft „Nähkasten“ in Bocholt und im TextilWerk Bocholt)

Decke                    178 x 198          79,95 €
Kissen                   40 x 40             34,95 €
ohne Füllung       50 x 50             39,95 €

Forma simplex – einfache Form 2019 von Christa Maria Kirch

„Das Projekt Artem@Artis 100 Jahre Bauhaus hat in mir ein großes Interesse für die besondere Geschichte der  Frauen an der vom Berliner Architekten Walter Gropius 1919 gegründeten Kunst-und Gestaltungsschule geweckt. 14 Jahre existierte das Staatliche Bauhaus in Weimar und Dessau, wurde jedoch unter dem Druck der Nazis in Berlin 1933 aufgelöst. Die Gestaltungsgrundlagen der Bauhaustheorie   begegnen uns bis heute  bei der Entwicklung von Formen und Funktionen für Handwerk, Industrie und Technik, sowie in der  Architektur und im Design für Möbel, und  jeder Gattung von Kunst.

Nachdem die Weimarer Verfassung nach dem 1.Weltkrieg den Frauen unbeschränkte Lernfreiheit gewährte, konnte ihnen  der Zugang zu Akademien nicht mehr verweigert werden. Viele Frauen nutzten diese neuen Chancen. Doch Bauhausdirektor Gropius änderte schon 1920 die Bedingungen für Frauen am Bauhaus in Weimar. Er schlug dem Meisterrat bei der Aufnahme eine starke Aussonderung vor. Damit das weibliche Geschlecht nicht zu stark vertreten war, schickte er die Frauen nach dem Vorkurs in die Weberei, Töpferei oder Buchbinderei.  Frauen in den Kursen für Formenlehre bei Klee und Kandinsky waren oft dem Spott männlicher Kollegen ausgesetzt. Ihnen blieb das Studium der Architektur verwehrt oder ihre Entwürfe wurden von den Meistern übernommen.

So setzte die 1987 geborene Künstlerin Gunta Stölzl ihre Fähigkeiten anders ein.

„Wo Wolle ist auch ein Weib…“ diese Worte trafen auf sie zu. Sieben Jahre nachdem sie sich in Weimar als Schülerin vorgestellt hatte, ist sie selbst Bauhausmeisterin geworden. Daran hatten die Mitstudenten, die Gropius drängten, ihren herausragenden Anteil an der Professionalisierung des Bauhauses anzuerkennen, gehörigen Anteil.Sie war die einzige vollwertige Meisterin, die das Bauhaus in seiner 14-jährigen Geschichte hervorbrachte. Unter Stölzls Leitung gedieh die Weberei zu einem der einträglichsten Bauhaus-Ressorts.

Es entstanden  begehrte dekorative Gobelins bis hin zum professionellen Industriedesign. In ihren Versuchsreihen ging sie über die traditionellen Webtechniken hinaus, z. B. mit neuen Rohstoffen wie Cellophan. Der berühmte Eisengarnstoff der frühen Stahlrohrmöbel des Bauhauses ist eine Erfindung der Bauhausweberei.Nach dem Weggang vom Bauhaus im Frühjahr 1931 ging sie in die Schweiz. Dort gründete sie 1932 mit den ehemaligen Bauhäuslern Gertrud Preiswerk und Heinrich-Otto Hürlimann die Handweberei S-P-H-Stoffe in Zürich.

Auch Gertrud Arndt geboren 1903 wurde 1923 ins Bauhaus aufgenommen und hätte lieber nach den Kursen bei Klee und Kandinsky Architektur studiert, doch im Kurs für Baulehre war sie die einzige Frau und zu ihren Zeichnungen kamen Kommentare wie:“ Machen wir einen Teppich daraus“! So wechselte sie in die Weberei und sah dies als einzige Möglichkeit als Frau am Bauhaus arbeiten zu können. Jedoch galt ihr eigentliche Leidenschaft der Fotografie.

Sie wirkte produktiv und kreativ an verschiedenen textilen Projekten mit und  schloss  ihre Lehre am Bauhaus mit der Gesellenprüfung vor der Webereiinnung in Glauchau ab. Nach ihrem Abschluss beschäftigte sich Arndt nie wieder mit dem Textildesign oder der Weberei. Ihr Fokus lag von nun an auf der Fotografie, die sie während ihres gesamten Studiums autodidaktisch weiter ausgebaut hatte. 1928 verließ Gertrud Arndt mit ihrem Mann das Bauhaus.

Dies ist nur ein bescheidener Einblick in die Geschichte und das Wirken von zwei Frauen am Bauhaus, die mich für meine Arbeit forma simplex inspirierten. In Anlehnung an eine Zeichnung von Gertrud Arndt entwickelte ich die  Idee eines grafischen Musters aus den Grundformen Quadrat, Kreis und Dreieck.

Für das Projekt Artem@Artis-100 Jahre Bauhaus wurde in der Deckenmanufaktur RabTex ein Wandbehang auf einem Jacquard-Webstuhl gewebt. Auf Basis dieses Musters gingen in limitierter Auflage zweifarbige Kuscheldecken in Produktion, die im Kaufhaus –Der Nähkasten- in Bocholt und im Museum des LWL Textilmuseums zu kaufen sind. Ebenso die Strickkissen mit gleichem Design oder Formen daraus, die in dem Familienunternehmen Strickerei Overkämping maschinell hergestellt wurden.

Beide Firmen sind in Südlohn nebeneinander ansässig  und man kann dort nach eigenen Wünschen Heimtextilien und Strickwaren in Auftrag geben.

Meinen herzlichen Dank an  beide  Unternehmen für die Bereitschaft an dem deutsch-niederländischen Kunstprojekt teilzunehmen. Ich freue mich über die gelungene Kooperation von Kunst & Handwerk. Darüber hinaus bedanke ich mich für eine äußerst angenehme freundliche Zusammenarbeit.“

Die Projektidee:

„Material: Garne zweifarbig, gewebt und/oder gestrickt zu textilen Werkstücken.
Historie: Die Geschichte des Bauhauses ist auch die Geschichte weiblicher Aufbrüche in der Kunst. Es ging um die Reform des ganzen Lebens, um Echtheit, Einfachheit, Natürlichkeit und Ganzheit. Gunta Stölzel (1897-1939) wurde unter Gropius eine prägende Persönlichkeit der Textilwerkstatt und schuf Wandbehänge und Musterteppiche als Vorreiterin modernen Textildesigns.
Idee: Textilkunst ist der Ausgangspunkt meiner Idee und bezieht sich im Besonderen auf das Wirken der beiden Bauhausfrauen Gunta Stölzel und Gertrud Arndt. Nach Studien der Formenlehre am Bauhaus durch Paul Klee, fertigten sie handwerklich Decken, Teppiche und Wandbehänge mit abstrakten Mustern, teilweise für mechanische Serienproduktionen. In Anlehnung an ihre Werke entwerfe ich ein Muster mit geometrischen Basisformen wie Kreis, Quadrat und Dreieck für textile Exponate.
Realisierung:  Der Entwurf wird digitalisiert und das Muster in der Deckenmanufaktur RabTex in Südlohn durch spezifische Software auf den Webstuhl übertragen. Es entsteht ein zweifarbiger Wandbehang aus Garnen nach Öko-Tex Standard 100, als Vorlage für die Produktion von Decken in limitierter Auflage.
Zusätzlich fertigt das Südlohner Traditionsunternehmen Strickerei Overkämping   Kissen in den Grundfarben, auf denen sich die Formen aus dem BauHaus-Muster des Wandbehanges wiederholen.“

Kooperierende Handwerksbetriebe:

RABTEX GbR
Südlohn, D
www.rabtex.de

Kooperierender Handwerker/Mitarbeiter:
Berthold Doods (Geschäftsführer rabTex / Qualitätsmanagement-Produktion)

Strickerei Overkämping
Südlohn, D
www.strickerei-overkaemping.de

Kooperierender Handwerker:
André Overkämping (Geschäftsführer Strickerei Overkämping OV48)